Interview mit unserer Apothekerin im Praktikum

Rebecca Stubenrauch

Nachdem Jenushan als Praktikant im Grundstudium der Pharmazie über seine Zeit in der Buschdorfer Apotheke und sein Studium berichtet hat, gibt Anna Lena Jäger nun im zweiten Teil unserer Interviewreihe Einblicke in die Arbeit einer Apothekerin im Praktikum.

von links nach rechts: Anna Lena Jäger, Rebecca Stubenrauch

Frau Jäger hat den universitären Teil ihres Studiums mit dem zweiten Staatsexamen abgeschlossen und sammelt nun praktische Erfahrungen in der Apotheke, bevor sie nach dem dritten Staatsexamen approbierte Apothekerin ist. Anna Lena Jäger ist noch in einer besonderen Situation: sie wird im Dezember Mutter und wird auch ein bisschen über die Vereinbarkeit von Familie und Apothekerberuf sprechen.

Rebecca:“ Frau Jäger, seit wann arbeiten Sie denn in der Buschdorfer Apotheke?“

Anna Lena Jäger: „Seit dem ersten Juli 2017 bin ich da.“

Rebecca: „Gibt es irgendwelche Tätigkeiten in der Apotheke, die Sie besonders gerne machen?“

A.L. Jäger: „Ich gehe schon gerne nach vorne (Anmerkung Rebecca: in den Handverkaufsbereich) und bin gerne mit den Kunden zusammen. Ich finde das Kundengespräch in den meisten Fällen schön und ich finde es auch immer interessant, was sie so zu erzählen haben und dieses Pläuschchen zwischendurch finde ich eigentlich auch ganz nett. “

Rebecca:“ Haben Sie durch die Schwangerschaft Einschränkungen im Apothekenalltag bis auf die Arbeit im Labor, die Sie nicht machen dürfen?“

A.L. Jäger:“ Alles, was Blutprodukte betrifft fällt auch raus, z.B. das Zucker messen.“

Rebecca:“ Frau Jäger, was haben Sie denn vor dem Pharmaziestudium gemacht? Sie haben ja schon einen anderen Beruf vorher ausgeübt?“

A.L. Jäger: „Genau, ich bin auch Operationstechnische Assistentin, da habe ich direkt nach dem Abitur die Ausbildung gemacht, dann erstmal ein Jahr Vollzeit gearbeitet und dann das Studium aufgenommen. Ich wollte ursprünglich gerne Medizin machen und hätte auch gerne den Seiteneinstieg über die Pharmazie gemacht, aber nachdem das alles viel Aufwand war und der Wechsel nicht so einfach war, bin ich dann bei der Pharmazie geblieben.“

Rebecca:“ Und das war dann auch in Ordnung für Sie?“

A.L. Jäger: „Ja, ich musste mich am Anfang schon ein bisschen umstellen, weil der Medizinwunsch einfach schon groß war, aber durch die Ausbildung im OP Bereich und dieses Zusammenspiel mit den Medikamenten- da habe ich die Anästhesie und jetzt die Medikamente und das Kundengespräch und so passt das alles.“

Rebecca:“ Ja, manchmal soll es dann auch so sein.“

A.L. Jäger: „Ja, ich finde das auch cool. Ich hätte das auch lange nicht gedacht, ich habe immer gesagt, ich mache alles, nur keine Pharmazie. Und dann ist es doch die Pharmazie geworden.“

Rebecca: „Schön, dass sich dann doch alles so gefügt hat. Und macht das Studium denn auch ein bisschen Spaß?“

A.L. Jäger:“ Ja, es gab sicherlich viele schöne Momente. Mein Highlight waren sicherlich nicht die Klausuren und die Prüfungsphasen, ich habe mich da zwischendurch wirklich schwer getan aber ich fand immer das Labor ganz toll und ich fand auch diese Abwechselung ganz toll – dass man immer ins Labor kann und dann mal in die Vorlesung und dass man nicht den ganzen Tag einfach in der Vorlesung sitzt. Ich mag auch das Miteinander da, dieses Untereinander mit den Kommilitonen, man ist sich ja doch relativ nah, das finde ich schon sehr schön.“

Rebecca:“ Sie werden ja jetzt bald Mutter, wie stellen Sie sich denn auch gerade im pharmazeutischen Beruf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf vor?“

A.L. Lena:“ Also, ich glaube, so lange ich in der Apotheke bleibe, ist das sicherlich gut möglich, es arbeiten ja so viele Mütter Teilzeit, das ist tatsächlich überhaupt kein Problem. In der Industrie habe ich wenig Erfahrung, ich glaube, dass es da sicherlich auch möglich ist, aber dann ist immer die Frage, was man macht und wie man das macht. Aber in der Apotheke habe ich überhaupt keine Bedenken, dass das klappen könnte.“

Rebecca:“ Also wäre auch die Apotheke der Zielbereich, den Sie anstreben würden?“

A.L. Lena:“ Ja, definitiv. Apotheke ist das, was ich machen möchte. Ich habe ja vorher kurz in einem Labor gearbeitet, also die andere Hälfte des Praktischen Jahres habe ich in einem Genlabor gemacht, das war auch sehr interessant, aber ich bin einfach nicht so die Labormaus.“

Rebecca:“ Und wie sieht es aus mit staatlicher Unterstützung für Mütter? Was gibt es da für Möglichkeiten? “

A.L. Jäger: “ Oh, ein leidiges Thema. Es gibt das Mutterschaftsgeld, das wird aber auch nur von der Krankenkasse übernommen, wenn man in einem Anstellungsverhältnis ist. Wenn man in keinem Anstellungsverhältnis ist, dann gibt es Kriterien, wann es das Bundesversicherungsamt übernimmt. Das ist aber nicht ganz so einfach. Und das Bundesversicherungsamt, die Mütter und die Krankenkassen streiten sich da gerne, das bleibt noch abzuwarten. Ansonsten gibt es finanziell das Elterngeld natürlich, das wird berechnet aus den letzten zwölf Monaten vor Beginn der Schutzfrist und die Schutzfristregelung irritiert so ein bisschen die Ausbildungszeit.

Rebecca:“ In Ihrem Fall ist es so, dass Sie gerne weiterarbeiten und das Praktische Jahr beenden würden, jetzt aber der Mutterschutz ansteht und Sie diese Zeit dann nach der Geburt Ihres Kindes nacharbeiten müssen, das ist schon ungünstig, oder?“

A.L. Jäger:“ Ja, aber das ist ja kein Problem. Ich muss ja echt sagen, ich glaube nicht, dass mir viele Chefs angeboten hätten, das Kind in den Aufenthaltsraum zu stellen, wenn ich nacharbeiten möchte. Frau Funk meinte, sie juckelt dann mit dem Kind durch die Gegend, also, von daher muss ich sagen, Unterstützung habe ich hier genug.“

Rebecca: “ Und wieviel Zeit bleibt dann noch für das Praktische Jahr, also wieviel müssen Sie tatsächlich dann nacharbeiten? “

A.L. Jäger:“ Es sind tatsächlich die 6 Wochen Mutterschutz. Ich habe ja auch noch Urlaub und wenn der errechnete Termin genau der Termin ist, an dem das Kind auch kommt, wären die Tage danach auch genau mein Urlaubszeitraum, es hätte auf den Stichtag genau gepasst.“

Rebecca: “ Schade“.

A.L. Jäger: „Ja, das ist wirklich schade. Vor allem fühle ich mich ja auch fit.“

Rebecca:“ Sie hätten dann ja auch wirklich direkt ins dritte Staatsexamen starten können. Haben Sie es sich schon überlegt, wie Sie es dann im dritten Staatsexamen machen mit Ihrem Kind parallel? Haben Sie da schon Betreuungs- und Unterstützungsmöglichkeiten, so dass Sie ein bisschen lernen können?“

A.L. Jäger:“ Das muss ich noch ein bisschen ausklamüsern. Ich habe Eltern und Schwiegereltern, die sicherlich einen Teil mit übernehmen wollen und würden. Jetzt ist es natürlich noch die Frage, wie das emotional für mich ist nach der Geburt, vorher bin ich jetzt noch ganz entspannt, danach weiss ich nicht, wie das so ist- möchte ich klammern? Ich plane, das Staatsexamen spätestens Mitte nächsten Jahres zu machen, einfach, damit das Erlernte auch bleibt, ansonsten starte ich ja wieder bei Null, das wäre ungünstig. “

Rebecca:“ Ja, da vergisst man bestimmt auch wieder viel. “

A.L. Jäger:“ Ja, und ich wäre schon gerne fertig, ich fänd das schon schön so mit einer Approbation.“

Rebecca:“ Ja, das klingt doch realistisch, denke ich. Die erste Zeit mit dem Kind verbringen und dann wieder starten.“

A.L. Jäger:“ Wenn das Kind entspannt ist und alle anderen, dann klappt das auch. Es ist ja nicht so wie vor dem ersten oder zweiten Staatsexamen, dass man eine bestimmte Zeit lernen muss, sondern man kann sich den Termin ja selber legen. Wenn ich mir den spät lege, kann ich auch halbtags lernen, ich muss ja nicht immer 24h durchlernen.“

Rebecca:“ Ja, so ist es doch dann auch entspannter mit ein bisschen Puffer.“ Ja, prima, dann haben wir ja schon viele interessante Apekte gehört. Uns bleibt natürlich noch, alles Gute zu wünschen für den kleinen Theo und für Sie, dass sich alles gut fügt und das Studium gut zum Abschluss kommt. Vielen Dank für das Interview.“

A.L. Jäger:“ Danke auch.“

 

Bei Rückfragen können Sie sich gerne an wenden.