Blasenschwäche

1.0 Was ist Blasenschwäche?

Wenn jemand unfreiwillig Urin verliert, nennt man das Blasenschwäche (englisch: „bladder weakness“, „incontinence“) oder auch Harninkontinenz. Dabei kann man den Zeitpunkt der Blasenentleerung nicht mehr willentlich steuern und kann den Urin nicht zurückhalten. Der Begriff Blasenschwäche wird eher umgangssprachlich genutzt.
Von Harninkontinenz sind viele Menschen betroffen. Allein in Deutschland sind es fünf Millionen Betroffene. Dazu kommt noch eine wahrscheinlich recht hohe Dunkelziffer. Denn viele Menschen schämen sich, über dieses Problem zu sprechen. Frauen sind häufiger betroffen als Männer. Mit steigendem Lebensalter nimmt die Anzahl der Betroffenen zu. Aber auch jüngere Menschen können unter Harninkontinenz leiden.

1.1 Welche Arten von Harninkontinenz gibt es?

Belastungsinkontinenz:

Sobald der Druck im Bauchraum steigt, zum Beispiel durch Heben schwerer Gegenstände, Treppensteigen, Niesen, Husten oder Lachen, geht etwas Urin in die Hose. Dabei verspüren die Betroffenen vorher keinen Harndrang.

Dranginkontinenz:

Der Harndrang tritt plötzlich auf und ist so stark, das man es oft nicht mehr bis zur Toilette schafft. Das passiert auch, wenn die Blase noch gar nicht stark gefüllt ist.

Mischinkontinenz:

Das ist eine Mischform aus Belastungs- und Dranginkontinenz.

Reflexinkontinenz:

In diesem Fall sind die Nerven, von denen die Blasenfunktion gesteuert wird, geschädigt. Es kommt zu plötzlichem Urinabgang. Oft wird dabei die Blase nicht vollständig geleert. Diese Form tritt zum Beispiel bei Querschnittslähmung, Multipler Sklerose oder nach einem Schlaganfall auf.

Überlaufinkontinenz:

Wenn die Blase stark gefüllt ist, läuft sie sozusagen über und etwas Urin tritt aus. „Es tröpfelt“. Das passiert zum Beispiel, wenn eine vergrößerte Prostata den Harnfluss behindert und die vollständige Leerung der Blase verhindert.

1.2 Warum kommt es nach einer Geburt oder in der Schwangerschaft zu Blasenschwäche?

Was ist der Beckenboden?

Der Beckenboden besteht aus Muskeln und Bindegewebe. Die Muskeln des Beckenbodens bestehen aus drei Schichten. Zusammen sind die Beckenbodenmuskeln etwa 1-2 cm dick. Wie eine Schüssel schließt der Beckenboden das knöcherne Becken nach unten hin ab. Dadurch werden die Organe im Beckenbereich (Gebärmutter, Harnblase) an ihrem Platz gehalten und rutschen nicht nach unten weg. Wenn im Bauchraum der Druck ansteigt (Husten, Niesen, Heben von Gegenständen), kann ein kräftiger Beckenboden das durch Muskelanspannung automatisch ausgleichen.

Was passiert in der Schwangerschaft mit dem Beckenboden?

Schwangerschaften und die Geburt eines Kindes stellen eine große Belastung für den Beckenboden dar. Der Beckenboden wird in der Schwangerschaft weicher und elastischer. Das ist notwendig, weil er sich bei der Geburt sehr stark dehnen muss. Sonst passt das Kind ja nicht durch. Häufig spürt die Mutter schon während der Schwangerschaft, dass es beim Bücken, Niesen oder Husten „tröpfelt“. Bei der Geburt des Kindes werden die Beckenbodenmuskeln zur Seite gedrückt und stark nach außen gedehnt. Danach muss alles erst mal wieder an seinen alten Platz zurück und wieder in Form kommen. Da der Beckenboden sehr elastisch ist, kann er normalerweise schon bald seine Stützfunktion wieder erfüllen. Bei der Rückbildungsgymnastik wird die Beckenmuskulatur trainiert und gestärkt.

2. Wann muss man zum Arzt gehen?

Ein Arztbesuch ist auf jeden Fall sinnvoll. Ihr Arzt kann organische Ursachen finden oder ausschließen und feststellen, welche Inkontinenzform vorliegt. Dann können auch passende Maßnahmen ergriffen werden. Das können Medikamente sein oder auch kleine Operationen. Es kann hilfreich sein, ein paar Tage lang Notizen zu machen (Trinkmenge, wie oft Harndrang auftritt, wie oft unfreiwilliger Harnverlust vorkommt). Das können für den Arzt nützliche Informationen sein.

3. Wie kann man Blasenschwäche behandeln?

Je nachdem, welche Art von Inkontinenz vorliegt, kommen verschiedene Behandlungsmöglichkeiten in Frage.

  • Physikalische Therapie in Form von Beckenbodengymnastik. Kurse gibt es zum Beispiel bei Physiotherapeuten. Auch gezieltes Blasen- und Toilettentraining ist eine mögliche physikalische Therapie.
  • Medikamentöse Behandlung, die Ihnen Ihr Arzt oder Ihre Ärztin verordnen kann.
  • Operative Verfahren wie zum Beispiel Bändchen, die die Harnröhre stützen, einlegen.

4. Ihr youpharm-Team empfiehlt:

Erwachsene

Es gibt pflanzliche Medikamente, die zur Unterstützung der Blasenfunktion eingesetzt werden können. Bei der Dranginkontinenz kann eine Behandlung mit Kürbissamen (Kürbissamenextrakt oder Kürbissamenöl) hilfreich sein. Die Wirksamkeit von Kürbissamen bei einer Reizblase sowie auch bei Blasenbeschwerden durch eine vergrößerte Prostata ist gut belegt. Sie stärken die Blasenfunktion und wirken krampflösend auf die Blasenmuskulatur. Die Verträglichkeit ist sehr gut, schließlich werden Kürbissamen und Kürbisöl auch als Lebensmittel in der Ernährung verwendet.
Auch die Früchte der Sägepalme (Sabalfrüchte) können zur Stärkung der Blasenfunktion eingesetzt werden. Sie kommen hauptsächlich dann zum Einsatz, wenn die Ursache der Beschwerden eine Vergrößerung der Prostata ist.

 

Homöopathie

Zur Behandlung von unwillkürlichem Harnabgang gibt es ein homöopathisches Kombinationsmittel in Tablettenform. Es kann eingesetzt werden bei nächtlichem und stressbedingtem Einnässen. Auch zur Linderung von Inkontinenz bei älteren Menschen und bei Frauen mit schwachem Beckenboden kann man es versuchen.

 

4.1 Hygieneprodukte

Einlagen

werden mit Klebestreifen an der Unterwäsche befestigt. Inkontinenzeinlagen haben an der Oberseite ein weiches Vlies. Darunter befindet sich eine Superabsorberschicht, die Urin aufnehmen und binden kann. Durch einen Zusatz von Geruchsbinder werden unangenehme Gerüche verringert. An der Unterseite der Einlage ist der Klebestreifen. Inkontinenzeinlagen sind in verschiedenen Größen und Saugstärken erhältlich und sind geeignet bei leichter bis mittelschwerer Harninkontinenz. Es gibt auch spezielle Ausführungen extra für Männer

Vorlagen mit Netzhose / Fixierhose

sind saugfähiger als Einlagen und können auch bei mittlerer bis schwerer Harninkontinenz sowie auch bei Stuhlinkontinenz benutzt werden. Die Vorlagen sind dicker, sie haben keinen Klebestreifen zur Befestigung sondern werden in eine Netzhose eingelegt.

Windelhosen

funktionieren wie Windeln für Babys. Sie werden auseinandergefaltet, angelegt und an den Seiten mit Klebestreifen befestigt. Es gibt verschieden Größen und Saugstärken. Solche Windelhosen sitzen gut und verrutschen nicht. Daher sind sie auch für die Versorgung während der Nacht und für bettlägerige Menschen geeignet.

Pants / Slips

sehen fast wie normale Unterhosen aus und werden auch genauso angezogen. Der saugfähige Teil ist fest eingebaut. Zum Ausziehen kann man diese Produkte an der Seite einfach aufreißen. Um eine neue Pants anzuziehen, muss man allerdings die Kleidung ausziehen. Wenn man zur Toilette geht, sind die Pants praktisch, weil man sie wie eine normale Unterhose runterziehen und wieder raufziehen kann.

Unterlagen

schützen die Matratze vor Urin. Es gibt Produkte zum Einmalgebrauch. Es gibt aber auch waschbare Matratzenschutzbezüge.

5. Zusätzliche Maßnahmen

  • Beckenbodengymnastik ist insbesondere bei Belastungsinkontinenz, bei Mischinkontinenz und bei Blasenschwäche als Folge von Schwangerschaft und Geburten sehr hilfreich. Viele Übungen kann man ganz diskret im Alltag durchführen.
  • Falls Sie Übergewicht haben, versuchen Sie etwas abzunehmen.
  • Bitte trinken Sie genügend. Das ist unter anderem wichtig, um die Blase zu durchspülen und beugt Harnwegsinfekten vor. Es wäre ein Fehler, aus Angst, dass etwas danebengehen könnte, die Trinkmenge stark einzuschränken

.

Version 1, Stand 09/2019

Bei Rückfragen können Sie sich gerne an Karin Krümmel wenden.

Unsere Produkt-Empfehlungen