Blutdruckmessung

1.0 Blutdruckmessung, wie funktioniert das?

Die indirekte arterielle Blutdruckmessung (englisch: blood pressure reading oder blood pressure measurement) ist eine einfache, kostengünstige und ungefährliche medizinische Messung.
Man legt dabei eine Druckmanschette am Arm an. Die Manschette wird aufgepumpt. Dabei drückt sie den Arm zusammen, wodurch der Blutfluss gestoppt wird. Dann wird der Druck aus der Manschette langsam und gleichmäßig wieder abgelassen. Bei einem bestimmten Druck fängt dass Blut wieder an zu fließen. Dabei entstehen Verwirbelungsgeräusche (Korotkow-Geräusche), die man mit einem Stethoskop hören kann. Der Druck zum Zeitpunkt, wenn das Geräusch anfängt, ist der systolische Druck. Nach einer Weile fließt das Blut wieder ganz gleichmäßig und das Verwirbelungsgeräusch hört auf. Der Druck zu diesem Zeitpunkt ist der diastolische Blutdruck. Diese klassische Messmethode mit Armmanschette und Stethoskop nennt man Riva-Rocci-Methode. Man braucht aber schon eine gewisse Übung, um diese Methode zuverlässig anwenden zu können.
Elektronische Meßgeräte, die den Blutdruck automatisch messen, können nach zwei verschiedenen Messverfahren funktionieren. Bei der oszillometrischen Messmethode misst das Gerät die Schwingung der Gefäßwände, die von den Druckwellen des pumpenden Herzens verursacht werden. Andere automatische Geräte arbeiten nach der akustischen Methode und messen mit einem Mikrofon die Korotkow-Geräusche. Es gibt auch Geräte, die die oszillometrische und akustische Methode kombinieren.

1.1 Warum soll man seinen Blutdruck messen?

Ein dauerhaft zu hoher Blutdruck verursacht Schäden an verschiedenen Körperorganen. Zum Beispiel wird dadurch das Herz und die Blutgefäße geschädigt. Aber auch die Nieren, das Gehirn und die Augen sind in Gefahr. Ein zu hoher Blutdruck steigert das Risiko, einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden.
Bluthochdruck ist eine häufige Erkrankung. In Deutschland sind etwa 30% der Bevölkerung von Bluthochdruck betroffen.
Viele Menschen spüren nichts von ihrem erhöhten Blutdruck. Sie fühlen sich wohl und denken, sie sind gesund. Nur durch Blutdruckmessung beim Arzt, in der Apotheke oder zu Hause kann die Krankheit festgestellt werden. Ein einzelner Blutdruckwert ist für sich genommen noch nicht aussagefähig. Erst regelmäßiges Messen verschafft einem den richtigen Überblick. Wer weiß, dass er unter Bluthochdruck leidet sollte auf jeden Fall seinen Blutdruck regelmäßig messen. So können Sie kontrollieren, ob ihre Medikamente richtig wirken. Schreiben Sie ihre gemessenen Werte in einem Blutdrucktagebuch auf und nehmen Sie das Blutdrucktagebuch beim Arztbesuch mit.

1.2 Was bedeuten die Werte beim Blutdruck?

Der Blutdruck wird in zwei Zahlen angegeben. Die größere Zahl ist der systolische Blutdruck. Das ist der höchste Druck, der in der Arterie während der Pumparbeit des Herzens auftritt. Dieser Druck entsteht, wenn das Herz sich zusammenzieht und das Blut in die Arterien pumpt.
Die kleinere Zahl ist der diastolische Blutdruck. Das ist der niedrigste Druck in der Arterie. Dieser Druck liegt vor, während das Herz gedehnt ist und sich wieder mit Blut füllt.
Die Maßeinheit für die Blutdruckwerte ist mmHg (millimeter Quecksilbersäule).
Die automatischen Blutdruckmessgeräte geben in der Regel zusätzlich auch noch einen dritten Wert an, nämlich den Puls. Dieser Wert gibt an, wie oft das Herz pro Minute schlägt.

1.3 Welche Blutdruckwerte sind normal?

optimaler Blutdruck: systolisch unter 120 mmHg, diastolisch unter 80 mmHg
normaler Blutdruck: systolisch 120-129 mm Hg, diastolisch 80-84 mmHg
hochnormal: systolisch 130-139 mmHg, diastolisch 85-89 mmHg
Hypertonie Grad 1: systolisch 140-159 mmHg, diastolisch 90-99 mm Hg
Hypertonie Grad 2: systolisch 160-179 mmHg, diastolisch 100-109 mmHg
Hypertonie Grad 3: systolisch 180 mm Hg oder höher, diastolisch 110 mmHg oder höher

Diese Einteilung entspricht der aktuellen Pocket-Leitlinie für das Management der arteriellen Hypertonie von 2014, herausgegeben von der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) und der Deutschen Hochdruckliga (DHL).

1.4 Oberarm- oder Handgelenk-Blutdruckmessgerät?

  • Oberarm-Blutdruckmessgeräte haben eine Manschette, die am Oberarm angelegt wird. Die Manschette ist dadurch automatisch auf Herzhöhe. Die Manschettengröße muss für den jeweiligen Armumfang passend sein! Für viele Geräte sind daher unterschiedliche Manschettengrößen erhältlich.
  • Handgelenk-Blutdruckmessgeräte haben den Vorteil, dass sie klein und handlich sind. Daher kann man so ein Gerät leicht mitnehmen zur Arbeit oder auf Reisen. Messgerät und Manschette bilden eine Einheit. Bei der Messung ist zu beachten, dass das Gerät auf Herzhöhe gehalten werden muss. Bei Durchblutungsstörungen oder Arteriosklerose ist die Handgelenkmessung ungeeignet.

2. Wann muss man zum Arzt gehen?

  • Immer, wenn erhöhte Blutdruckwerte gemessen werden. Ein vorhandener Bluthochdruck gehört unbedingt in ärztliche Behandlung!
  • Wenn sie schon wegen Bluthochdruck in Behandlung sind, sollten sie regelmäßig bei ihrem behandelnden Arzt zur Kontrolluntersuchung gehen.

3. Was ist beim Blutdruckmessen zu beachten?

  • Halten Sie vor dem Messen eine Ruhepause (5Minuten) ein. Wenn Sie sich unmittelbar vorher stark angestrengt oder aufgeregt haben, sollte die Ruhepause länger sein.
  • Messen Sie im Sitzen. Schlagen Sie dabei nicht die Beine übereinander und sitzen Sie in aufrechter Körperhaltung.
  • Während der Messung bitte nicht bewegen oder sprechen.
  • Wenn Sie eine Oberarmmanschette verwenden legen Sie die Manschette bitte nicht über der Kleidung an, sondern am unbekleideten Arm. Wenn Sie einen Ärmel hochschieben, darf der Arm davon nicht eingeschnürt werden.
  • Wenn Sie ein Handgelenkmessgerät benutzen, halten Sie den Arm mit dem Gerät bitte während der Messung auf Herzhöhe.
  • Messen Sie Ihren Blutdruck am besten regelmäßig zur selben Tageszeit.
  • Messen Sie immer am selben Arm. Die Werte können nämlich an beiden Armen unterschiedlich sein. Beim ersten Mal messen Sie an beiden Armen und entscheiden sich dann für den Arm mit dem höheren Messergebnis. An diesem Arm messen sie dann regelmäßig ihren Blutdruck.
  • Trinken Sie eine Stunde vor der Messung keinen Kaffee oder andere coffeinhaltige Produkte und keinen Alkohol. Rauchen Sie nicht vorher.
  • Wenn Sie zweimal hintereinander messen möchten, warten Sie bitte zwischen den beiden Messungen ein paar Minuten.

4.0 Welche Geräte gibt es für die Blutdruckmessung zu Hause?

  • Oberarmmessgeräte mit oszillometrischer Messmethode, zum Beispiel
    Hartmann tensoval comfort oder boso medicus control oder visocor om50.
  • Handgelenkmessgeräte mit oszillometrischer Messmethode, zum Beispiel
    Hartmann tensoval mobil oder boso medilife s.
  • Geräte, die oszillometrisch und akustisch messen, also zwei Messmethoden kombinieren, zum Beispiel
    Hartmann tensoval duo control oder Visomat double comfort.
  • Blutdruckmessgeräte mit Stethoskop für private Anwendung, zum Beispiel Visomat medic home oder boso ergotest.
  • Geräte, die schon beim Aufpumpen messen. Dadurch ergibt sich ein weniger hoher Druckaufbau. So ein Gerät ist empfehlenswert für ältere Menschen und solche, die den Druckaufbau als unangenehm empfinden. Visomat comfort 20/40 mit Oberarmmanschette oder als Handgelenkgerät Visomat handy soft oder Hartmann tensoval mobil mit comfort air technology oder boso medilife s.
  • Geräte mit zusätzlichen technischen Möglichkeiten wie Computerauswertung oder Verbindung mit dem Smartphone.
    Für Technik-Freunde: Omron connect ist eine Smartphone-App, die sich über Bluetooth mit dafür ausgestatteten Omron-Blutdruckmessgeräten verbinden kann z.Bsp. Omron M700 Intelli IT, oder boso medicus system mit Übertragung der Messwerte aufs smartphone und Auswertung mit der boso app, boso medicus PC2 mit USB-Kabel zum Anschluss an den PC und Software für die Auswertung der Werte.

4.1 Was bedeutet das Prüfsiegel der Deutschen Hochdruckliga?

Die Deutsche Hochdruckliga e.V. (abgekürzt DHL) ist eine medizinische Fachgesellschaft, die sich zur Aufgabe gemacht hat, Bluthochdruckpatienten und die behandelnden Ärzte zu unterstützen, die Forschung über Bluthochdruck zu fördern sowie die Bevölkerung über die Krankheit Bluthochdruck aufzuklären.
Die Deutsche Hochdruckliga prüft Blutdruckmessgeräte und vergibt ein Prüfsiegel für die Messgenauigkeit der Geräte. Auf der Internetseite der DHL (www.hochdruckliga.de) finden Sie eine Liste der Geräte, die ein Prüfsiegel erhalten haben. Das Prüfsiegel ist also ein Anhaltspunkt für ein Gerät mit guter Messgenauigkeit.
Zusätzlich sollte man bei der Auswahl eines Geräts für die Selbstmessung zu Hause individuelle Faktoren beachten. Zum Beispiel sind Geräte mit oszillometrischer Messung bei bestimmten Patientengruppen nicht gut geeignet (Patienten mit schweren Herzrhythmusstörungen, Versteifung der Blutgefäße, Zittern zum Beispiel wegen einer Parkinsonerkrankung, Diabetes). Um auf Nummer sicher zu gehen, sollte man in diesen Fällen Vergleichsmessungen zwischen dem Gerät für die Selbstmessung zu Hause und der beim Arzt verwendeten Blutdruckmessung mit Stethoskop vornehmen. Dazu nimmt man sein Gerät mit zu seinem behandelnden Arzt und macht die Vergleichsmessung in der Arztpraxis. Sprechen Sie vorher bitte mit ihrem Arzt ab, ob er Zeit dafür hat. Wenn die Werte zu stark abweichen, ist das Gerät für diese Person nicht geeignet.

4.2 Muss mein Blutdruckmessgerät geeicht werden?

Heutzutage müssen Blutdruckmessgeräte nicht mehr geeicht werden.
Wenn Blutdruckmessgeräte beruflich genutzt werden (z.Bsp. Arztpraxis, Krankenhaus, Apotheke, Altenheim) muss alle zwei Jahre eine messtechnische Kontrolle durchgeführt werden. Für Geräte im Privatgebrauch ist die messtechnische Kontrolle nicht vorgeschrieben. Man kann so eine Prüfung natürlich trotzdem freiwillig durchführen lassen, muss sie dann aber auch selbst bezahlen.

5. Welche lebensstilverändernden Maßnahmen kann ich ergreifen, um mich vor Bluthochdruck zu schützen?

Ein gesunder Lebensstil trägt maßgeblich dazu bei, der Entstehung von Bluthochdruck vorzubeugen. Bei schon bestehendem Bluthochdruck kann ein gesunder Lebensstil dazu beitragen, die Werte zu senken und die medikamentöse Behandlung zu unterstützen.

  • Achten Sie auf ein gesundes Körpergewicht. Bei Übergewicht empfiehlt sich eine Gewichtsabnahme auf einen BMI von 25kg/m² und einen Taillenumfang von unter 102cm bei Männern beziehungsweise unter 88cm bei Frauen.
  • Regelmäßige körperliche Bewegung ist sehr wichtig! Empfehlenswert ist ein moderates Training für mindestens 30 Minuten an 5 bis 7 Tagen in der Woche. Gut geeignet sind zum Beispiel Wandern, Spazierengehen, Schwimmen oder Fahrradfahren. Wenn Sie lange keinen Sport mehr gemacht haben, besprechen Sie ihre Trainingspläne vorher am besten mit Ihrem Arzt und fangen Sie langsam an. Steigern kann man sich dann immer noch, wenn die Fitness sich nach und nach verbessert.
  • Achten Sie auch auf eine gesunde Ernährung. Essen Sie viel Obst und Gemüse, Getreideprodukte am besten als Vollkornprodukte, Milchprodukte mit niedrigem Fettgehalt.
    Fleisch, Fett und Süßigkeiten sollten nur in kleinen Mengen verzehrt werden.
  • Die Kochsalzzufuhr sollte auf 5-6g pro Tag beschränkt werden. Stattdessen kann man mehr Kräuter zum Würzen verwenden.
  • Trinken Sie bitte nicht zu viel Alkohol. Am besten für die Gesundheit ist ein vollständiger Verzicht auf Alkohol. Zumindest aber sollte man den Alkoholkonsum begrenzen auf nicht mehr als 20-30g Alkohol pro Tag bei Männern und nicht mehr als 10-20g Alkohol pro Tag bei Frauen.
  • Wenn sie Raucher sind, hören Sie am besten mit dem Rauchen auf!
  • Bauen Sie Stress ab, sofern es möglich ist. Erlernen Sie Methoden zum Stressabbau beziehungsweise zur Entspannung.

Version 1, Stand 01/2017

Bei Rückfragen können Sie sich gerne an Karin Krümmel wenden.

Unsere Produkt-Empfehlungen