Ernährung bei Gicht

1.0 Was ist Gicht?

Gicht (englisch: „gout“) ist eine Stoffwechselkrankheit, bei der erhöhte Harnsäurewerte im Blut vorliegen. Der medizinische Fachbegriff für Gicht ist „Arthritis urica“.
Die überschüssige Harnsäure kann Kristalle bilden. Die Abwehrzellen unseres Immunsystems erkennen diese Kristalle als Fremdkörper, „fressen“ sie auf und versuchen sie zu verdauen. Das geht aber nicht und die spitzen Kristalle bringen die Abwehrzellen zum Platzen. Dadurch entsteht eine Entzündung. Die Entzündung verursacht dann den Gichtanfall. Dieser macht sich durch starke Schmerzen, Rötung, Erwärmung und Schwellung am betroffenen Gelenk bemerkbar. Am häufigsten ist das Großzehengrundgelenk betroffen. Aber auch an anderen Gelenken, zum Beispiel am Knie, am Sprunggelenk oder am Daumen kann ein Gichtanfall auftreten.

1.1 Was ist Hyperurikämie?

„Hyperurikämie“ ist der Fachbegriff für erhöhte Harnsäurewerte im Blut.
Die normalen Harnsäurespiegel im Blut sind bei erwachsenen Frauen 2,4 bis 5,7 mg/dl und bei Männern 3,4 bis 7,0 mg/dl. Nach den Wechseljahren gelten für Frauen die selben Werte wie für Männer.
Erhöhte Werte, also eine Hyperurikämie, liegt vor wenn der Harnsäurespiegel im Blut bei Frauen höher als 6 mg/dl und bei Männern höher als 7 mg/dl ist.

1.2 Wo kommt die Harnsäure her?

Ein Teil der Harnsäure kommt aus unserem eigenen Körperstoffwechsel. Sie entsteht als Endprodukt beim Abbau von Purinen. Die Purine kommen als Baustein von DNA und RNA in jeder Körperzelle vor. Als Endprodukt muss die entstandene Harnsäure dann über den Urin ausgeschieden werden. Leider ist Harnsäure nicht gut löslich in Wasser (also auch in Urin) und daher ist die Ausscheidung begrenzt. Was zu viel ist, bleibt im Körper und erhöht die Harnsäurewerte im Blut.
Auch Nahrungsmittel enthalten Purine. Diese werden ebenfalls zu Harnsäure abgebaut und müssen über den Urin ausgeschieden werden.

2. Wann muss man zum Arzt gehen?

  • Bei einem akuten Gichtanfall muss man auf jeden Fall sofort zum Arzt gehen.
  • Wenn der Gichtanfall abgeklungen ist, wird eine vorbeugende Dauertherapie durch Ernährungsumstellung und eventuell auch zusätzlich durch Medikamente begonnen. Auch für diese Behandlung ist Ihr Arzt oder Ihre Ärztin zuständig. Bitte gehen Sie als Gichtpatient regelmäßig zum Arzt, auch wenn Sie zur Zeit keine Beschwerden haben.

3.0 Welche Rolle spielt die Lebensweise bei der Entstehung von Gicht?

Unsere Lebensweise im Wohlstand trägt erheblich zur Entstehung von Gicht bei. Fehlernährung und Bewegungsmangel mit daraus resultierendem Übergewicht, Alkoholmissbrauch und Stress sind auslösende Faktoren. Das ist aber nicht die alleinige Ursache. Auch eine erbliche Veranlagung spielt eine Rolle. Männer sind häufiger betroffen als Frauen.

3.1 Ernährung bei Gicht

  • Purinarme Ernährung: Purinreiche Lebensmittel wie Innereien, Fleisch, Sardinen nur selten und in geringen Mengen verzehren. Purinarme Lebensmittel wie Kartoffeln, Milch, Eier, Milchprodukte, Gemüse und Vollkornprodukte häufig auf den Speiseplan bringen.
  • Alkohol möglichst meiden.
  • Meiden Sie auch Getränke, die mit Fruchtzucker (Fructose) gesüßt sind.
  • Viel trinken, am besten Wasser oder Tee. Kaffee geht auch.
  • Wer Übergewicht hat, sollte sein Gewicht langfristig normalisieren. Aber bitte keine plötzliche radikale Reduktionsdiät machen, denn auch Fasten kann einen Gichtanfall auslösen.
  • Vermeiden Sie beim Essen Extreme. Sowohl ungewöhnlich üppige Mahlzeiten (zum Beispiel an Feiertagen) als auch Fastentage können Gichtanfälle auslösen. Also ernähren Sie sich lieber gleichmäßig.

3.2 Was kann ich kochen, was darf ich essen, bei Gicht?

Gut geeignete, purinarme Mahlzeiten sind zum Beispiel:

  • Kartoffelpürree mit Rührei und Salat
  • Vollkornreis mit Aubergine-Zucchini-Tomaten-Gemüse
  • Vollkornnudeln mit Tomatensoße und Parmesan
  • Kartoffelsalat
  • Reibekuchen mit Apfelmus
  • Kürbissuppe
  • Pellkartoffeln mit Kräuterquark
  • Folienkartoffel mit Zaziki und Salat
  • Pfannkuchen mit Erdbeerquark
  • Omelette mit Pilzfüllung

4. Ihr youpharm-Team empfiehlt:

Erwachsene

Die Gicht ist eine Erkrankung, die immer in ärztliche Behandlung gehört. Das betrifft sowohl den akuten Gichtanfall als auch die vorbeugende Behandlung zur Senkung der Harnsäurewerte. Als Patient können Sie zum Behandlungserfolg erheblich beitragen, indem Sie regelmäßig zum Arzt gehen, ihre Medikamente zuverlässig einnehmen und auf eine purinarme Ernährung achten.

Mit entzündungshemmenden Schmerzmitteln aus der Gruppe der NSAR (nichtsteroidale Antirheumatika) kann man vorübergehend die Schmerzen im entzündeten Gelenk bei Gicht lindern. Auch die Schwellung, Rötung und Erwärmung wird durch diese Medikamente verringert. In Frage kommen unter anderem die Wirkstoffe Diclofenac und Ibuprofen. Patienten mit Asthma, Magen-Darm-Geschwüren oder erhöhter Blutungsgefahr dürfen solche Medikamente nicht einnehmen. Zum Einreiben der schmerzenden Stellen gibt es Schmerzgel mit Diclofenac oder mit Ibuprofen. Als pflanzliche Alternative kann man eine Schmerzcreme mit der Heilpflanze Beinwell ausprobieren.

5. Zusätzliche Maßnahmen

  • Trinken Sie reichlich, am besten Wasser oder Tee. Auch Kaffee ist erlaubt.
  • Das betroffene Gelenk hochlagern und mit kalten Umschlägen oder Kühlpäckchen kühlen.
  • Ausschwemmende Tees trinken, um die Harnsäure besser auszuscheiden. Traditionell wird hierzu grüner Hafertee eingesetzt. Auch Brennesseltee wirkt ausschwemmend.

Version 1, Stand 05/2019

Bei Rückfragen können Sie sich gerne an Karin Krümmel wenden.

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