Lactoseintoleranz

1.0 Was ist Lactoseintoleranz?

Lactoseintoleranz bedeutet, dass man Milchzucker (=Lactose) nicht verdauen kann und deswegen Lebensmittel, die Milchzucker enthalten, nicht gut verträgt. Für die Verdauung von Lactose ist ein Enzym notwendig, die sogenannte Lactase. Diese Lactase wird von der Dünndarmschleimhaut ausgeschüttet. Lactase spaltet den Zweifachzucker Lactose in seine Bestandteile, die beiden Einfachzucker Galactose und Glucose. Diese Einfachzucker können dann vom Körper aufgenommen und genutzt werden. Bei Menschen mit Lactoseintoleranz besteht ein Lactasemangel. Der Milchzucker wird daher im Dünndarm nicht gespalten und wandert unverändert weiter bis in den Dickdarm. Im Dickdarm leben Bakterien, die dann den Milchzucker als Nahrungsquelle nutzen und abbauen. Dabei entstehen Gase. Es kommt zu Blähungen, krampfartigen Bauchschmerzen und Durchfällen.

1.1 Warum vertragen manche Menschen Lactose und andere Menschen nicht?

Lactose ist natürlicherweise in der Milch von Säugetieren enthalten, also auch in unserer Muttermilch. Säuglinge haben eine hohe Lactaseaktivität und können Milchzucker gut verdauen. Nach dem Ende der Stillzeit sinkt bei Säugetieren und auch beim Menschen die Lactaseproduktion deutlich ab (weil sie nicht mehr gebraucht wird). In der frühen Menschheitsgeschichte konnte kein erwachsener Mensch Lactose verdauen. Die Lactoseintoleranz stellt also eigentlich den Normalzustand dar. Erst als Ackerbau und Viehzucht bei den Menschen üblich geworden war, fing man an, auch die Milch der Nutztiere als Nahrungsquelle zu nutzen. Im Rahmen der Evolution wurde es in Regionen mit Milchviehhaltung zum Normalzustand, dass auch erwachsene Menschen weiterhin Lactase produzieren und dadurch Milch und Milchprodukte verzehren und verdauen können. Bei uns in Deutschland können heutzutage etwa 80% der Bevölkerung Lactose ohne Probleme verdauen. Bei 15-20% der deutschen Bevölkerung liegt eine Lactoseintoleranz vor. In anderen Regionen der Welt sind fast alle Einwohner lactoseintolerant. Zum Beispiel in Asien und in Afrika (circa 90% der Menschen haben dort Lactoseintoleranz).

1.2 Wie stellt man Lactoseintoleranz fest, welche Tests gibt es?

  • Laktosekarenz (Selbstversuch): Diesen Test kann man selbst durchführen. Ernähren Sie sich eine gewisse Zeit lang lactosefrei, zum Beispiel zwei bis vier Wochen lang. Führen Sie zur Kontrolle ein Ernährungstagebuch. Notieren Sie auch, ob und wann Verdauungsbeschwerden auftreten. Wenn bei lactosefreier Ernährung eine deutliche Besserung der Beschwerden eintritt, haben Sie einen ersten Hinweis auf Lactoseintoleranz. Gehen Sie aber trotzdem auf jeden Fall zum Arzt, um weitere Erkrankungen oder ernste Grunderkrankungen auszuschließen bzw. um ihre Vermutung zu bestätigen.
  • H2-Lactose-Atemtest / Wasserstoffatemtest: Dieser Test wird beim Arzt durchgeführt. Der Patient trinkt eine bestimmte Menge Milchzucker, aufgelöst in Wasser. Vorher und in bestimmten Zeitabständen nach der Milchzuckeraufnahme wird in der Atemluft der Wasserstoffgehalt bestimmt. Bei Lactoseintoleranz verarbeiten die Darmbakterien Lactose unter anderem zu Wasserstoff, der dann über die Lunge abgeatmet wird. Ein Anstieg von H2 im Atem nach der Milchzuckerzufuhr deutet also auf eine Lactoseintoleranz hin.
  • Bluttest / Lactose-Toleranz-Test: Diese Test wird ebenfalls beim Arzt durchgeführt. Auch hier wird eine bestimmte Menge von aufgelöstem Milchzucker getrunken. Vorher und in bestimmten Zeitabständen danach wird ein Tropfen Blut abgenommen und der Blutzuckergehalt (Glucose) gemessen. Da Milchzucker bei vorhandener Lactaseaktivität in Galactose und Glucose gespalten wird, steigt der Glucosespiegel im Blut an. Bleibt der Blutzuckeranstieg aus, liegt wahrscheinlich eine Lactoseintoleranz vor.
  • Gentest: Hier wird untersucht, ob bestimmte genetische Varianten vorliegen, die die Lactaseaktivität sozusagen abschalten. Als Probematerial wird ein Abstrich der Wangenschleimhaut verwendet.

2. Wann muss man zum Arzt gehen?

Wenn Sie den Verdacht haben, unter Lactoseintoleranz zu leiden, sollten Sie auf jeden Fall zum Arzt gehen! Er kann andere, schwerwiegende Erkrankungen ausschließen und gegebenenfalls Ihren Verdacht bestätigen. Der richtige Ansprechpartner ist Ihr Hausarzt oder, wenn Kinder betroffen sind, der Kinderarzt.

3.0 Was sollte man bei Lactoseintoleranz nicht essen?

Alle Lebensmittel und Getränke, die Lactose (= Milchzucker) enthalten.
Achtung: in der Lebensmittelindustrie wird Lactose vielen Produkten zugesetzt, also lesen Sie bei Fertigprodukten die Zutatenliste durch.

  • Milch (egal ob von Kühen, Ziegen oder Schafen)
  • Milchprodukte
  • Schokolade
  • Fertigsuppen und Saucen (Zutatenliste kontrollieren)
  • Eiscreme
  • auch Brot und Backwaren können Lactose als Zusatzstoff enthalten

3.1 Was darf man bei Lactoseintoleranz essen?

Alle Lebensmittel und Getränke, die keine oder nur sehr wenig Lactose enthalten.

  • Obst und Gemüse
  • Getreide und Getreideprodukte (Haferflocken, Mehl, Stärke)
  • Fleisch
  • Fisch
  • Eier
  • Wasser, Tee, Kaffee (ohne Milch), Saft
  • Lactosefreie Milch und Milchprodukte (diese Produkte tragen die Aufschrift „lacosefrei“ und sind in den meisten Supermärkten erhältlich)
  • Hart- und Schnittkäse mit Reifezeit (während der Reifung wird der Milchzucker abgebaut), zum Beispiel Edamer, Emmentaler, Gouda, Tilsiter

3.2 Alles ist eine Frage der Menge

Bei der Lactoseintoleranz handelt es sich nicht um eine Allergie. (Bei Allergien können schon kleinste Spuren des Allergieauslösers Symptome verursachen). Daher können viele von Lactoseintoleranz Betroffene geringe Mengen an Lactose noch ganz gut vertragen. Erst beim Verzehr größerer Mengen treten dann Beschwerden auf. Dabei hat jeder seine eigene Grenze. Probieren Sie aus, wieviel Sie von lactosehaltigen Lebensmitteln vertragen können.

4.0 Was kann man zur Behandlung von Lactoseintoleranz tun?

  1. 1. Die naheliegende Behandlung besteht aus einer lactosefreien oder zumindest möglichst lactosearmen Ernährung.
  2. 2. Bei Einladungen zum Essen, im Urlaub oder beim Essen im Restaurant ist es nicht immer einfach, herauszufinden, ob Lactose im Essen ist. In diesen Situationen sind Lactase-Tabletten praktisch. Man führt dem Körper das fehlende Enzym von außen zu, die Lactose kann abgebaut werden und es treten keine oder zumindest weniger Beschwerden auf.

4.1 Ist eine zusätzliche Calciumzufuhr sinnvoll?

Milch und Milchprodukte stellen bei uns die wichtigste Quelle für Calcium dar. Wer im Rahmen einer lactosefreien Ernährung vollständig auf Milch und Milchprodukte verzichtet, sollte auf seine Calciumzufuhr achten. Ein erwachsener Mensch braucht laut DGE (Deutsche Gesellschaft für Ernährung) täglich 1000mg Calcium. Schwangere, Stillende und Jugendliche im Wachstum brauchen sogar 1200mg.Eine gute Versorgung mit Calcium ist unter anderem für die Knochengesundheit sehr wichtig. Lactosefreie Milch enthält genausoviel Calcium wie normale Milch. Milchersatzprodukte wie Soja-, Mandel- oder Hafermilch sind oft mit Calcium angereichert. Schnittkäse enthält aufgrund der Reifung keine oder nur wenig Lactose, aber reichlich Calcium. Außerdem kann calciumreiches Mineralwasser helfen, den Calciumbedarf zu decken.
Wenn Ihre Calciumzufuhr zu niedrig ist, oder ein erhöhter Bedarf besteht (zum Beispiel bei Osteoporose), können Sie gute Calciumpräparate aus der Apotheke einsetzen.

5.0 Wie finde ich heraus, ob ein Medikament Lactose enthält?

Lactose ist in vielen Tabletten und Kapseln als Hilfsstoff (Füllmittel, Bindemittel) enthalten. Allerdings sind die Mengen an Lactose, die auf diesem Weg aufgenommen werden, in der Regel gering. Da viele Menschen mit Lactoseintoleranz geringe Lactosemengen gut vertragen können, spricht in diesen Fällen nichts dagegen, Medikamente einzunehmen, obwohl sie Lactose enthalten.

  • Im Beipackzettel von jedem Medikament muss eine vollständige Zutatenliste aufgeführt sein. Das ist gesetzlich so festgelegt. Also können Sie bei vorhandenen Medikamenten einfach in den Beipackzettel schauen.
  • Vor einer Kaufentscheidung können Sie in der Apotheke nachfragen, ob ein Medikament Lactose enthält. Wir können Ihnen meist auch lactosefreie Alternativen heraussuchen.

5.1 Enthalten homöopathische Arzneimittel Lactose?

Homöopathische Tabletten enthalten in der Regel als Trägersubstanz Lactose. Das betrifft auch Schüssler-Salze in Tablettenform. Da bei der Einnahme im Falle akuter Erkrankungen mehrmals täglich mehrere Tabletten eingenommen werden, kann die Lactosemenge hierbei insgesamt schon etwas größer werden.
Als Alternative kommen homöopathische Globuli in Frage, welche als Trägersubstanz normalen Haushaltszucker (Saccharose) enthalten.
Viele homöopathische Mittel sind auch in Form von Tropfen erhältlich. Die Tropfen sind frei von Lactose, enthalten aber in der Regel Alkohol.
Fragen Sie einfach in der Apotheke nach dem Lactosegehalt, bevor Sie ein homöopathisches Mittel bestellen. Wir helfen Ihnen gerne bei der Suche nach lactosefreien Darreichungsformen.

Version 1, Stand 03/2016

Bei Rückfragen können Sie sich gerne an Karin Krümmel wenden.

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