Nasenspray-Abhängigkeit

1.0 Was ist ein „abschwellendes Nasenspray“?

Abschwellende Nasensprays oder Nasentropfen enthalten als Wirkstoff sogenannte α-Sympathomimetika. Dazu gehören zum Beispiel Naphazolin, Oxymetazolin, Tramazolin und Xylometazolin. Diese Wirkstoffe verengen die Blutgefäße in der Nasenschleimhaut und sorgen so dafür, dass die geschwollene Schleimhaut wieder abschwillt. Die verstopfte Nase wird frei und man kann wieder durch die Nase atmen. Diese Wirkung tritt innerhalb weniger Minuten ein und kann je nach Wirkstoff fünf bis zehn Stunden anhalten.
Beim akuten Erkältungsschnupfen mit verstopfter Nase ist das eine große Erleichterung. Besonders vor dem Schlafengehen, denn mit freier Nase kann man viel besser einschlafen. Auch bei der Vorbeugung und Behandlung von Nasennebenhöhlenentzündung und Mittelohrentzündung ist abschwellendes Nasenspray sehr nützlich.

1.1 Warum kann Nasenspray abhängig machen?

Wenn die gefäßverengende Wirkung des Nasensprays abklingt, kommt es zu einer verstärkten Durchblutung der Nasenschleimhaut. Die Schleimhaut schwillt wieder an und die Nase ist wieder verstopft. Das verleitet einen dazu, erneut das Nasenspray zu benutzen. Es kann zu einem Teufelskreis kommen.
Bei dauerhafter Anwendung von abschwellenden Nasensprays kann es zu Schäden der Nasenschleimhaut kommen. Diese können schlimmstenfalls irreparabel sein. Die Schleimhaut wird trocken, dünn und empfindlich. Es kommt leicht zu Nasenbluten.

2. Wann muss man zum Arzt gehen?

Wenn Sie bei sich eine Nasenspray-Abhängigkeit beobachten, sollten Sie auf jeden Fall beim HNO-Arzt Hilfe suchen.

3. Wie kann man Nasenspray-Abhängigkeit vorbeugen?

Beschränkung der Anwendungsdauer:

Bitte achten Sie darauf, in der Selbstbehandlung von akutem Schnupfen abschwellende Nasensprays oder Tropfen nie länger als maximal eine Woche zu benutzen. Bei anderen Erkrankungen kann auf ärztliche Anordnung auch eine längere Anwendung notwendig sein. Bitte beachten Sie auch immer die im Beipackzettel angegebene Dosierung. Bei Xylometazolinspray zum Beispiel soll die Anwendung 1 bis 3mal täglich für bis zu 7 Tage erfolgen.

Alternativen ohne Abhängigkeitsgefahr verwenden:

Eine unbedenkliche Alternative sind Nasentropfen oder Nasenspray, die isotone Kochsalzlösung enthalten. Das ist eine 0,9%ige Lösung von normalem Kochsalz in Wasser. Diese Salzkonzentration ist reizarm und gut verträglich, weil unser Blutplasma Salze in vergleichbarer Gesamtkonzentration enthält. Mit isotoner Kochsalzlösung kann man die Nasenschleimhaut spülen, reinigen und befeuchten. Die Anwendung ist auch bei Schwangeren, bei Säuglingen und Kleinkindern geeignet. Eine häufige und langdauernde Anwendung ist möglich. Allerdings hat isotone Kochsalzlösung keine abschwellende Wirkung auf die Nasenschleimhaut.
Stärker konzentrierte Salzlösungen (sogenannte hypertone Lösungen) hingegen können aus der geschwollenen Nasenschleimhaut Flüssigkeit entziehen. Dadurch kommt es zu einer sanften Abschwellung. Manchmal verursacht der höhere Salzgehalt jedoch ein leichtes Brennen.
Nasenspray oder Nasensalbe mit dem Wirkstoff Dexpanthenol tragen dazu bei, dass die wunde Nasenschleimhaut besser abheilt und sich regeneriert.
Nasenspray, Nasensalbe oder Nasenöl mit ätherischem Öl erfrischt und erleichert die Nasenatmung.
Mit Hilfe einer Nasendusche kann man seine Nase gründlich reinigen und pflegen. Eine regelmäßige Anwendung kann sogar Erkältungen vorbeugen. Auch für Allergiker ist die Anwendung der Nasendusche sehr nützlich, weil man damit Allergene von der Nasenschleimhaut entfernt. Die Nasendusche wird mit isotoner Salzlösung gefüllt. Dann spült man zunächst einmal durch das eine Nasenloch. Anschließend füllt man die Nasendusche erneut und spült durch das andere Nasenloch.

4. Was kann man tun, um Nasenspray-Abhängigkeit los zu werden?

Dosis nach und nach reduzieren

Wenn Sie ein abschwellendes Nasenspray mit Erwachsenenstärke (0,1% Xylometazolin) verwenden, können Sie zunächst auf die niedrigere Kinderstärke (0,05% Xylometazolin) umsteigen. Sprühen Sie aber dabei nicht öfter, als bisher. Nach einer Weile steigen Sie dann auf die Babystärke um (0,025% Xylometazolin). Am Schluss lassen Sie auch das weg. Begleitend können Sie beliebig oft ein befeuchtendes Salzwasserspray ohne abschwellenden Wirkstoff benutzen.
Eine andere Möglichkeit zur schrittweisen Dosisreduktion ist, das abschwellende Nasenspray nach und nach immer mehr mit Kochsalzlösung zu verdünnen. Das machen Sie so lange, bis Sie am Schluss nur noch reine Kochsalzlösung benutzen.

Ein-Nasenloch-Methode

Man hat ja zwei Nasenlöcher und kann im Prinzip auch durch nur ein Nasenloch genug Luft zum Atmen bekommen. Deswegen kann man zunächst nur ein Nasenloch entwöhnen. Bei dem anderen macht man erst mal weiter wie gewohnt. Die Nasenseite, die gerade entwöhnt wird, schwillt natürlich zunächst an und ist verstopft. Nach einer Zeit (einige Tage) erholt sich die Schleimhaut und diese Nasenhälfte ist „clean“. Dann können Sie das Spray auch beim anderen Nasenloch weglassen und abwarten, bis auch die zweite Nasenhälfte sich erholt hat. Begleitend können Sie an beiden Seiten beliebig oft ein befeuchtendes Salzwasserspray ohne abschwellenden Wirkstoff benutzen.

Kortisonspray

Zur Entwöhnung bei Nasenspray-Abhängigkeit kann auch eine zeitweilige Behandlung mit Kortison-Nasenspray hilfreich sein. Diese Methode sollten Sie nur unter Anleitung durch Ihren HNO-Arzt ausprobieren.

„Kalter Entzug“

Bei dieser Methode hören Sie sofort mit jeglicher Anwendung von abschwellenden Nasensprays auf. Die Nase wird sich natürlich zunächst eine Zeitlang verstopft anfühlen. Aber das geht irgendwann von selbst vorbei und ihre Nase kann sich allmählich erholen.

Version 1, Stand 10/2019

Bei Rückfragen können Sie sich gerne an Karin Krümmel wenden.

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