Rheuma

1.0 Was ist Rheuma?

Unter dem Begriff Rheuma (englisch: rheumatism) werden eine große Zahl von unterschiedlichen Erkrankungen zusammengefasst. Man spricht auch von den Erkrankungen des rheumatischen Formenkreises. Bei diesen Erkrankungen ist der Bewegungsapparat betroffen (also Muskeln, Knochen, Gelenke, Sehnen), es kommt zu Schmerzen und zu Funktionseinschränkungen.
Von rheumatischen Erkrankungen können Menschen aller Altersklassen betroffen sein, leider kommt es auch bei Kindern schon vor.

1.1 Was ist rheumatoide Arthritis?

Die rheumatoide Arthritis (englisch: rheumatoid arthritis) ist eine chronische Gelenkentzündung. Die Krankheit wird auch als chronische Polyarthritis bezeichnet. Die Gelenkbeschwerden treten oft symmetrisch auf, also gleichzeitig an beiden Händen, Schultern, Knien oder Fußgelenken. Zu Beginn sind besonders häufig die Finger- oder Zehengelenke entzündet. Die Beschwerden sind morgens besonders stark, man leidet unter der typischen Morgensteifigkeit. Das bedeutet, am Morgen sind die Gelenke besonders steif und unbeweglich, im Tagesverlauf wird es dann wieder etwas besser. Die Krankheit verläuft schubweise. Die Gelenke werden immer stärker zerstört, die Beweglichkeit immer stärker eingeschränkt. Frauen sind von der rheumatoiden Arthritis häufiger betroffen als Männer. Eine frühe Diagnose und Behandlung sind bei der rheumatoiden Arthritis sehr wichtig, damit die Gelenkzerstörung möglichst frühzeitig gebremst werden kann. Also zögern Sie nicht, zum Arzt zu gehen!

1.2 Was ist Arthrose?

Bei der Arthrose (englisch: arthrosis) handelt es sich um eine degenerative Gelenkerkrankung, also einen Gelenkverschleiß. Dabei geht nach und nach der Gelenkknorpel verloren. Es treten Gelenkschmerzen auf und die Beweglichkeit verschlechtert sich. Häufig betroffene Gelenke sind Knie, Hüfte, Schultern und Finger. Mit zunehmendem Alter steigt die Krankheitshäufigkeit an.

1.3 Was ist rheumatisches Fieber?

Das rheumatische Fieber (englisch: rheumatic fever) ist eine Spätfolge, die eine bis drei Wochen nach einer Infektion mit Streptokokken (Mandelentzündung, Scharlach) auftreten kann. Hierbei sind verschiedene Gelenke schmerzhaft entzündet. Typisch ist, dass die Schmerzen von Gelenk zu Gelenk wechseln. Zum Beispiel tut zuerst das Sprunggelenk weh, dann das Knie, danach die Fingergelenke. Es kann hohes Fieber auftreten. Außer den Gelenken können auch andere Organe entzündet sein, wie das Herz, das Gehirn und die Haut. Beim Verdacht auf rheumatisches Fieber ist sofort ein Arzt aufzusuchen!

2. Wann muss man zum Arzt gehen?

  • Immer zur Erstdiagnose, bei allen Beschwerden, die in Richtung von rheumatischen Erkrankungen deuten
  • Regelmäßig zur Verlaufskontrolle
  • Bei Verschlimmerung der Beschwerden
  • Wenn Gelenkbeschwerden mit Fieber einhergehen

3. Was darf man bei Rheuma essen, was sollte man nicht essen?

Die Ernährung bei Rheuma sollte fleischarm, aber reich an Obst und Gemüse sein. Fisch sollte regelmäßig etwa zweimal in der Woche auf dem Speiseplan stehen. Auch eine vegetarische Ernährungsweise soll sich günstig auswirken.
Der Grund für diese Empfehlungen ist, dass Arachidonsäure Ausgangsstoff für die Bildung von entzündungsfördernden Botenstoffen im Körper ist. Man versucht also, über die Nahrung möglichst wenig Arachidonsäure zuzuführen, um nicht unnötig die Entzündung in Gang zu halten. Arachidonsäure ist in tierischen Lebensmitteln enthalten. Diese sollte man also reduzieren.
Als Begründung für den empfohlenen Fischverzehr wird die entzündungshemmende Wirkung von Omega-3-Fettsäuren angeführt. Diese Omega-3-Fettsäuren sind besonders in Kaltwasserfischen wie Hering, Makrele und Lachs enthalten. Aber auch in bestimmten Pflanzenölen kommen Omega-3-Fettsäuren vor, zum Beispiel in Leinöl.

4.0 Welche Medikamente können in der Selbstbehandlung bei Rheuma eingesetzt werden?

Grundsätzliche gehören alle rheumatischen Erkrankungen in ärztliche Behandlung! Die Selbstmedikation kann hier lediglich zur Unterstützung oder zur kurzzeitigen Schmerzunterdrückung eingesetzt werden.

Kinder (2 bis 6 Jahre alt)

Wenn Sie vermuten, Ihr Kind könnte unter einer rheumatischen Erkrankung leiden, gehen Sie bitte unbedingt zum Kinderarzt und sprechen Sie das Thema an.

Schulkinder (älter als 6 Jahre)

Wenn Sie vermuten, Ihr Kind könnte unter einer rheumatischen Erkrankung leiden, gehen Sie bitte unbedingt zum Kinderarzt und sprechen Sie das Thema an.

Erwachsene

Zur Behandlung von Schmerzen können Medikamente aus der Gruppe der NSAR (nichtsteroidale Antirheumatika) eingesetzt werden. Dazu zählen zum Beispiel Acetylsalicylsäure, Ibuprofen, Diclofenac und Naproxen. Diese Schmerzmittel haben zusätzlich zur schmerzstillenden Wirkung auch eine entzündungshemmende Wirksamkeit. Sprechen Sie bitte mit Ihrem behandelnden Arzt ab, welcher Wirkstoff gut zu Ihrer Dauermedikation passt oder fragen Sie in der Apotheke nach.

Wer eine pflanzliche Alternative sucht, kann Präparate auf Basis von Eschen- und Pappelrinde, Brennessel oder Teufelskralle einsetzen.

Eine äußerliche Behandlung mit schmerzstillenden und entzündungshemmenden Salben oder Gels ist eine sinnvolle unterstützende Maßnahme. Im Vergleich zur innerlichen Behandlung mit Tabletten verursacht die äußerliche Behandlung deutlich weniger Nebenwirkungen. Auch bei den Mitteln zum Einreiben kommen wahlweise NSAR oder pflanzliche Mittel zum Einsatz. Aus der Gruppe der NSAR werden in Einreibemitteln die Wirkstoffe Diclofenac, Ibuprofen und Piroxicam eingesetzt. Als pflanzliche Mittel kommen in der äußerlichen Anwendung besonders Beinwell und Arnika in Frage.

Homöopathie

Es gibt homöopathische Tabletten zur Anwendung bei Weichteilrheumatismus (Schmerzzustände und Bewegungseinschränkungen an Muskeln, Bändern und Sehnen). Das Mittel kann eingesetzt werden bei Erwachsenen und Kindern, die älter als 12 Jahre sind. Man lässt dreimal täglich eine Tablette im Mund zergehen.

Ein weiteres homöopathisches Mittel zur Besserung rheumatischer Beschwerden liegt in Tropfenform vor. Auch dieses Mittel kann bei Erwachsenen und Kindern ab 12 Jahren eingesetzt werden. Zu beachten ist dabei der Alkoholgehalt der Tropfen. Die Dosierung für Erwachsene beträgt viermal täglich 20 Tropfen, in akuten Fällen auch sechsmal täglich 30 Tropfen.

4.1 Zusätzliche Maßnahmen

  • Achten Sie auf regelmäßige Bewegung. Gelenkschonende Sportarten sind Schwimmen, Radfahren, Wandern, Nordic Walking, Aquajogging oder Skilanglauf. Bitte passen Sie aber darauf auf, bei Schmerzen aufzuhören und sich nicht zu verletzen.
  • Bei vorhandenem Übergewicht versuchen Sie bitte abzunehmen, am besten bis Sie ein normales Körpergewicht erreicht haben. Denn die Gelenke werden durch Übergewicht stark belastet.
  • Anwendung von Wärme oder Kälte kann sich sehr hilfreich auswirken. Diese physikalische Therapie bezeichnet man als Thermotherapie.
    Kälteanwendung wirkt bei Entzündungen schmerzlindernd und abschwellend. Für die Kälteanwendung zu Hause kann man Kühlpäckchen verwenden, die mit Gel gefüllt sind und im Kühlschrank oder Gefrierfach gekühlt werden. Vor dem Auflegen auf den Körper wickelt man das Kühlpäckchen in ein Tuch ein.
    Wärmeanwendung fördert die Durchblutung und entspannt die Muskulatur. Für die Anwendung zu Hause sind klassische Wärmflaschen oder Kirschkernkissen geeignet. Es gibt auch wärmende Pflaster oder Einreibemittel zum Beispiel mit Capsaicin als Wirkstoff. Auch warme Funktionsunterwäsche kann für Rheumapatienten angenehm und lindernd sein. Bei aktiven Entzündungen soll keine Wärmebehandlung durchgeführt werden.
  • Heilpflanzentees mit Weidenrinde, Brennessel und anderen Pflanzen werden traditionell zur unterstützenden Behandlung rheumatischer Beschwerden eingesetzt.

5. Was macht die Rheuma-Liga?

Die Deutsche Rheuma-Liga ist eine große Selbsthilfeorganisation für Menschen, die von Rheuma betroffen sind. Sie vertritt die Interessen der Rheuma-Patienten und bietet vielfältige Informationen und Dienstleistungen an. Schauen Sie sich doch einmal den Internet-Auftritt der Rheuma-Liga an.

Version 1, Stand 03/2016

Bei Rückfragen können Sie sich gerne an Karin Krümmel wenden.

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