Schwindel

1.0 Was ist Schwindel?

Schwindel ist das unangenehme Gefühl, der eigene Körper oder der umgebende Raum würde sich bewegen, obwohl das in Wirklichkeit gar nicht der Fall ist. Der medizinische Fachbegriff für das Schwindelgefühl lautet Vertigo (englisch: dizziness, vertigo). Begleitend zum Schwindelgefühl kann Übelkeit auftreten oder auch vegetative Symptome wie Zittern, Schweißausbrüche, Herzklopfen oder Blässe. Es besteht die Gefahr hinzufallen (Fallneigung) oder bewußtlos zu werden.
Schwindelgefühle sind ein häufiges Leiden, besonders bei älteren Menschen kommt Schwindel häufig vor.

1.1 Wie fühlt sich Schwindel an?

Das Schwindelgefühl kann sich verschieden anfühlen. Man unterscheidet:

  • Drehschwindel: fühlt sich so an, als ob der Raum sich um einen dreht oder als ob sich im Körper etwas dreht (Karussellgefühl).
  • Schwankschwindel: fühlt sich so an, als ob man beim Stehen schwankt oder als ob die Umgebung hin und her wackelt.
  • Liftschwindel: fühlt sich so an, als ob man nach oben oder unten gezogen wird (wie im Fahrstuhl).
  • Benommenheitsschwindel: man fühlt sich allgemein unsicher und benommen.

2. Wann muss man wegen Schwindel zum Arzt gehen?

Eigentlich immer, um die Ursache abzuklären und eine gezielte Behandlung zu ermöglichen.

  • Wenn Schwindelattacken wiederholt auftreten oder lange andauern (zum Beispiel länger als eine Stunde).
  • Wenn andere Beschwerden hinzukommen wie hohes Fieber, Hörminderung, Ohrgeräusche, Sehstörungen, Lähmungserscheinungen, Gefühlsstörungen, starke Kopfschmerzen.
  • Wenn Schwindel bei einer Mittelohrentzündung auftritt.
  • Bei Verdacht auf Gehirnerschütterung, also nach Stößen oder Schlägen im Kopfbereich.
  • Bei Verdacht auf einen Glaukomanfall (erhöhter Augendruck, Erblindungsgefahr!)

3.1 Warum kommt es zu Schwindel in der Schwangerschaft, vor der Periode oder in den Wechseljahren?

In diesen Fällen sind die hormonellen Veränderungen schuld.
In der Schwangerschaft muss sich der gesamte Organismus zunächst einmal an die neue Situation anpassen. Es kommt zu deutlichen Veränderungen im Körper. Unter anderem nimmt das Blutvolumen zu, die Blutgefäße werden erweitert und der Blutdruck sinkt ab. Wenn der Blutdruck zu niedrig ist oder wenn das Blut in den Beinvenen versackt, wird einem schwindelig. Schwindel ist ein typisches Symptom in der Schwangerschaft, besonders im ersten Drittel. Meistens ist der Schwindel nicht gefährlich. Aber sprechen Sie bitte auf jeden Fall mit Ihrer Frauenärztin oder mit Ihrer Hebamme darüber, wenn Sie mit Schwindelgefühlen während der Schwangerschaft zu tun haben. Bei Schwindel in der Schwangerschaft nehmen Sie bitte keine Medikamente ohne vorher bei Ihrem Frauenarzt nachzufragen. Als erste Maßnahme, wenn Schwindel auftritt, setzen Sie sich am besten hin, damit Sie nicht umfallen. Sie können auch im Sitzen den Kopf zwischen die Beine stecken, bis der Schwindel nachlässt. Bei Schwindel als Folge von Unterzuckerung hilft eine kohlenhydratreiche Zwischenmahlzeit (Saft, Brot, Obst). Vorbeugend sorgen Sie für genügend Bewegung und trinken Sie genug.
In den Tagen vor der Periode sinken die Blutspiegel der weiblichen Hormone stark ab. Das kann zu vielfältigen Beschwerden führen (siehe Thema PMS). Auch Kreislaufprobleme inklusive Schwindel treten bei manchen Frauen in dieser Zyklusphase auf.
In den Wechseljahren verursacht die hormonelle Umstellung eine Reihe von Beschwerden, wozu auch Schwindel gehören kann. (Siehe Thema Wechseljahre)

3.2 Warum kommt Schwindel bei Angststörungen oder bei Depressionen vor?

Patienten mit Angsterkrankungen leiden mitunter auch unter Schwindelattacken. Schwindel kann eines der körperlichen Symptome bei einer Panikattacke sein, daneben kommen auch Zittern, Herzrasen, Schwitzen, Übelkeit oder Ohnmachtsgefühle vor. Wer so etwas einmal erlebt hat, bekommt natürlich große Angst davor, dass es wieder passiert. Man kann also nur schwer sagen, ob die Angst die Schwindelattacke verursacht oder umgekehrt.
Auch bei Depressionen kann Schwindel auftreten. Es lässt sich dann keine körperliche Ursache für den Schwindel finden.
Schwindel ohne erkennbare körperliche Ursache bezeichnet man auch als somatoformen Schwindel.

4. Welche Medikamente können gegen Schwindel eingesetzt werden?

Kinder (2 bis 6 Jahre alt)

Wenn Sie vermuten, dass Ihr Kind unter Schwindel leidet, gehen Sie bitte mit dem Kind zum Kinderarzt.

Schulkinder (älter als 6 Jahre)

Wenn Ihr Kind über Schwindel klagt, gehen Sie bitte mit dem Kind zum Kinderarzt.

Erwachsene

Zur Behandlung von Schwindel wird ein Medikament mit dem Wirkstoff Dimenhydrinat eingesetzt. Das Mittel ist als Zäpfchen oder Retardkapsel erhältlich. Die Wirkung tritt bei den Retardkapseln nach 15-30 Minuten ein, bei den Zäpfchen dauert es 30-45 Minuten. Die Wirkung hält dann über mehrere Stunden an (circa 3 bis 6 Stunden). Der Wirkstoff kann müde machen und das Fahrvermögen beeinträchtigen.
Tritt Schwindel aufgrund von Kreislaufproblemen auf, kann man alternativ ein Mittel in Tropfenform anwenden. Es enthält Campher und einen herzstärkenden Weißdornextrakt. Bei Asthmapatienten darf das Mittel nicht eingesetzt werden, da Campher die Atemwege reizt. Man nimmt bei akuter Kreislaufschwäche und Schwindel alle 15 Minuten 5-10 Tropfen auf einem Stück Zucker oder Brot ein, bis die Besserung eintritt.

 

Homöopathie

Es gibt ein homöopathisches Arzneimittel mit einer Kombination aus zwei homöopathischen Wirkstoffen zur Besserung von Schwindelbeschwerden. Das Mittel ist in Tabletten- oder in Tropfenform erhältlich. Bei akuten Schwindelzuständen nimmt man jede halbe bis ganze Stunde 5 Tropfen oder eine Tablette, jedoch höchstens sechsmal täglich. Bei chronischem Schwindel nimmt man dreimal täglich 5 Tropfen bzw. eine Tablette ein.
Ein anderes homöopathisches Mittel ist ebenfalls als Tropfen oder Tabletten erhältlich und enthält eine Kombination aus drei homöopathischen Bestandteilen (in der Tropfenform nur zwei Bestandteile). Bei akutem Schwindel lutscht man alle 10 Minuten eine Tablette. Bei chronischen Beschwerden wird 3-4 mal täglich eine Tablette gelutscht. Von den Tropfen nimmt man im akuten Zustand bis zu 12mal täglich 10 Tropfen, bei chronischem Schwindel 3mal täglich 10 Tropfen ein. Das Mittel ist geeignet für Erwachsene und Kinder ab 12 Jahren.

 

5. Welche zusätzlichen Maßnahmen sind bei Schwindel sinnvoll?

  • Es kann sehr nützlich sein, wenn Sie einen Schwindelkalender führen. Darin notiert man Zeitpunkt und Dauer einer Schwindelattacke, Begleitumstände, mögliche auslösende Faktoren, was man zur Behandlung unternommen hat und ob diese Behandlung erfolgreich war. So kann man einerseits für sich selbst nützliche Informationen sammeln. Andererseits ist so ein Schwindeltagebuch natürlich auch eine sehr wertvolle Hilfe beim Gespräch mit dem behandelnden Arzt.
  • Durch sogenanntes Gleichgewichtstraining kann man das Gleichgewichtssystem stärken und mehr Sicherheit gewinnen. Gleichgewichtsübungen kann man auch zu Hause durchführen. Fangen Sie dabei mit leichten Übungen an und steigern Sie sich nach und nach. Um einen guten Effekt zu erreichen, sollte man beim Üben an die Grenzen seiner Stabilität kommen.
  • Körperliche Aktivität kann zu einem guten Gleichgewichtssinn und guter Beweglichkeit beitragen. Also treiben Sie ruhig regelmäßig Sport im Rahmen Ihrer Leistungsfähigkeit.
  • Achten Sie auf eine allgemeine gesunde Lebensweise mit genügend Schlaf, ausgewogener Ernährung und möglichst wenig Alkohol und Nikotin.
  • Versuchen Sie Stress zu vermeiden.

Version 1, Stand 02/2016

Bei Rückfragen können Sie sich gerne an Karin Krümmel wenden.

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