Übergewicht

1.0 Was ist Übergewicht?

Übergewicht (englisch: „overweight“) ist ein Körpergewicht, welches durch Erhöhung des Körperfetts höher als das Normalgewicht ist, aber noch keine Adipositas (Fettleibigkeit) ist. Übergewicht ist definiert als BMI ≥ 25kg/m². Ab einem BMI von 30 spricht man von Adipositas.

1.1 Was ist der BMI?

BMI ist die Abkürzung für Body-Mass-Index, auf deutsch Körpermassenindex. Diese Größe benutzt man zur Beurteilung des Körpergewichts. Der BMI errechnet sich aus dem Körpergewicht in Kilogramm geteilt durch das Quadrat der Körpergröße in Meter. Die Einheit ist also kg/m².

Beispiel: Herr Müller ist 1,85m groß und wiegt 95kg.
BMI = 95kg: (1,85m·1,85m)=27,8kg/m²
Herr Müller hat einen BMI von 27,8.

Der BMI berücksichtigt nicht die Körperzusammensetzung. Sportler oder Arbeiter mit viel Muskelmasse können einen erhöhten BMI haben, sind aber trotzdem nicht übergewichtig und müssen natürlich auch nicht abnehmen. Auch bei Wassereinlagerungen im Körper (Ödeme) ist der BMI erhöht, auch wenn nicht zu viel Körperfett vorhanden ist.

Wenn das Gewicht von Kindern beurteilt werden soll, benutzt man nicht den BMI, sondern sogenannte Perzentilenkurven. Diese Kurven kennen Eltern aus den Vorsorgeuntersuchungsheften, die beim Kinderarzt benutzt werden.

1.2 Ab wann spricht man von Übergewicht, wann von Adipositas?

Untergewicht: BMI kleiner als 18,5
Normalgewicht: BMI 18,5 – 24,9
Übergewicht: BMI 25 – 29,9
Adipositas Grad I: BMI 30 – 34,9
Adipositas Grad II: BMI 35 -39,9
Adipositas Grad III: BMI 40 oder größer

1.3 Warum ist Übergewicht gefährlich für die Gesundheit?

Übergewicht erhöht das Risiko für eine ganze Reihe von Erkrankungen. Diabetes mellitus, Fettstoffwechselstörungen (erhöhte Cholesterin- oder Triglyceridwerte), Gallensteine, Fettleber, Schlaf-Apnoe-Syndrom, Koronare Herzkrankheit, Bluthochdruck, Schlaganfall, Gicht und Refluxösophagitis sind Beispiele dafür. Das Übergewicht belastet auch die Knochen und Gelenke. Daher kommt es leicht zu Rückenschmerzen oder Problemen zum Beispiel mit den Knie- oder Hüftgelenken.
Die gute Nachricht: Abnehmen in Richtung Normalgewicht bewirkt bei den meisten dieser Erkrankungen eine deutliche Besserung!

1.4 Was ist das „metabolische Syndrom“?

Das metabolische Syndrom ist eine Sammelbezeichnung für mehrere Erkrankungen und Risikofaktoren. Sie alle zusammen, und auch jeder einzelne Faktor, erhöhen das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt, koronare Herzkrankheit und Schlaganfall. Übergewicht spielt eine wichtige Rolle bei der Entstehung dieser Risikofaktoren und eine Gewichtsreduktion kann das Gesundheitsrisiko der Betroffenen deutlich verbessern.
Die Komponenten des metabolischen Syndroms sind:

  • Übergewicht bzw. Adipositas, besonders wenn der „Apfeltyp“ vorliegt.
  • Erhöhte Blutfettwerte (Cholesterin, Triglyceride)
  • Bluthochdruck
  • Diabetes mellitus
  • erhöhte Harnsäurewerte („Gicht“)

2. Wann muss man zum Arzt gehen?

  • Grundsätzlich wird ihr Hausarzt bei den regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen auch ihr Körpergewicht erfragen und die Gewichtsentwicklung beobachten. Wenn Handlungsbedarf besteht, wird ihr Arzt das mit ihnen besprechen.
  • Lassen Sie sich vom Arzt beraten und unterstützen, wenn sie unter starkem Übergewicht leiden (Adipositas Grad II oder III).
  • Wenn eigene Abnehmversuche ohne Erfolg verlaufen sind.
  • Wenn zusätzliche Erkrankungen vorliegen wie Diabetes, Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Gicht.

3.0 Wie entsteht Übergewicht?

Übergewicht entsteht dadurch, dass man regelmäßig mehr Nahrungsenergie zu sich nimmt, als der Körper braucht. Über einen längeren Zeitraum sammelt sich das Übergewicht nach und nach an. Eine Reihe von Faktoren können zu Übergewicht führen oder es begünstigen.

  • Der Lebensstil (schlechte Ernährung, Bewegungsmangel) ist die Hauptursache!
  • Vererbung (in der Familie neigt man zum Dickwerden)
  • In der Wohlstandsgesellschaft ist Nahrung jederzeit im Überfluss verfügbar. („All-you-can-eat“-Angebote, zu große Portionen, an jeder Ecke eine Frittenbude)
  • Auch Schlafmangel und Stress können Übergewicht begünstigen.
  • Übergewicht kann auch eine Folge von Erkrankungen sein (zum Beispiel Schilddrüsenunterfunktion, Depressionen). In diesen Fällen hilft eine ärztliche Behandlung der Grunderkrankung.
  • Auch manche Medikamente können einen Einfluss auf das Körpergewicht haben. Setzen Sie aber bitte niemals ein verordnetes Medikament eigenmächtig ab, weil Sie Angst haben, dass es dick macht! Sprechen Sie über das Problem mit ihrem behandelnden Arzt.

3.1 Wie kann man Übergewicht abbauen?

Um Übergewicht wieder loszuwerden, muss man über einen längeren Zeitraum mehr Energie verbrauchen, als man in Form von Nahrung zu sich nimmt.
Das heißt, einerseits muss man sich mehr bewegen, um den Energieverbrauch zu steigern. Im Rahmen der persönlichen Möglichkeiten sind dazu gelenkschonende Ausdauer-Sportarten geeignet (zum Beispiel Schwimmen, Walken, Wandern, Fahrradfahren). Wenn Sie lange keinen Sport mehr gemacht haben, lassen Sie sich bitte vorher vom Hausarzt untersuchen. Sprechen Sie ihre Trainingspläne mit ihrem Arzt ab und klären sie ab, ob keine medizinischen Bedenken gegen ihre Wunschsportart sprechen.
Zusätzlich ist es sinnvoll, die Bewegung im Alltag zu steigern. Also öfter zu Fuß gehen oder Fahrrad fahren, statt das Auto zu nehmen. Die Treppe steigen, statt den Fahrstuhl oder die Rolltreppe zu benutzen.
Andererseits muss die Ernährung überprüft und gegebenenfalls verbessert werden. Essen sie nicht zu fettig, zu süß und zu kalorienreich. Gut und gesund ist es, viel Gemüse und Obst zu essen (mindestens 5 Portionen am Tag) und viel kalorienfreie Getränke wie Wasser oder Tee zu trinken (ca. 2 Liter am Tag).

3.2 Was kann ich essen, wenn ich mein Übergewicht loswerden möchte?

Im Prinzip können Sie alles essen, es ist nur eine Frage der Menge.
Gut geeignete Lebensmittel haben bei geringem Kaloriengehalt viele wertvolle Nährstoffe wie Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente. Dazu gehören vor allem Gemüse, Obst und Vollkornprodukte. Aber auch fettarme Milchprodukte, Eier, mageres Fleisch und Fisch können den Speiseplan bereichern. Trinken Sie ausreichend kalorienfreie Getränke, am besten Wasser oder Tee.
Es gibt für Menschen, die abnehmen möchten, viele verschiedene Diät-Vorschläge. Man kann sowohl mit fettreduzierten Diäten als auch mit kohlehydratreduzierten Diäten erfolgreich abnehmen. Meiden Sie auf jeden Fall einseitige Diäten, die auf Dauer gesundheitsschädlich sein können.

3.3 Was empfiehlt die DGE?

Die DGE (Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V.) ist ein gemeinnütziger eingetragener Verein. Die DGE beschäftigt sich unter anderem mit der (ideellen) Förderung der Ernährungsforschung und veröffentlicht Informationen zu Ernährungsfragen.

  • „Vollwertig essen und trinken nach den 10 Regeln der DGE“
  • DGE-Ernährungskreis
  • Lebensmittelpyramide

4. Welche Möglichkeiten gibt es, mit Produkten aus der Apotheke das Abnehmen zu unterstützen?

Formuladiäten

Formuladiäten
Formuladiäten sind Diätprodukte in Form von Pulver, das man mit Wasser oder fettarmer Milch zu einem flüssigen Shake anrührt. Dieser Shake dient dann als Ersatz für eine Mahlzeit. Man kann auch mehrere Mahlzeiten am Tag durch so ein Produkt ersetzen. Die Produkte enthalten Eiweiß (Protein), damit der Körper während der Diät kein Muskeleiweiß abbaut. Außerdem sind Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente enthalten. Es gibt verschiedene Hersteller, die solche Produkte anbieten. Teilweise werden unterschiedliche Geschmacksrichtungen angeboten, zum Beispiel Vanille, Schoko, Kaffee oder Suppengeschmack.
Ein Vorteil dieser Produkte ist die einfache Anwendung ohne Kalorienzählen. Sie bieten dadurch einen leichten Einstieg ins Abnehmen.
Ein Nachteil ist, dass man auf diese Weise noch keine Umstellung auf eine gesunde Ernährung lernt. Der nachhaltige Erfolg ist dadurch fraglich.

 

Lipasehemmer

Lipasehemmer
Der Lipasehemmer Orlistat ist zugelassen zur Gewichtsreduktion von Erwachsenen mit Übergewicht (ab einem BMI von 28). Wenn man Orlistat einnimmt, muss die Ernährung umgestellt werden auf eine leicht kalorienreduzierte und fettreduzierte Kost. Der Wirkstoff Orlistat hemmt das Enzym Lipase, welches im Darm für die Fettverdauung gebraucht wird. Der Körper kann dann weniger Fett aus dem Essen aufnehmen. Ein Teil des Fetts aus der Nahrung (etwa 25%) wird unverdaut mit dem Stuhl ausgeschieden. Typische Nebenwirkungen von Orlistat sind daher fettiger Stuhl, vermehrter Stuhldrang, Stuhlinkontinenz, Blähungen oder Durchfall. Diese Nebenwirkungen sind umso häufiger und stärker, je mehr Fett in der Mahlzeit war. Wenn man darauf achtet, fettarm zu essen, gibt es also weniger Nebenwirkungen.

 

Ballaststoffe und Quellstoffe

Ballaststoffe und Quellstoffe
Nahrungsergänzungsmittel oder Medizinprodukte auf Basis von Ballaststoffen und Quellstoffen werden vor den Mahlzeiten zusammen mit reichlich Wasser eingenommen. Das Produkt quillt dann im Magen auf und soll so ein gewisses Sättigungsgefühl bewirken. Dadurch soll dann bei der Mahlzeit weniger gegessen werden.
Man muss bedenken, dass es sich bei diesen Produkten nicht um Arzneimittel handelt, das heißt, es hat keine wissenschaftlichen Studien zur Wirksamkeit und Unbedenklichkeit gegeben.

 

5. Zusätzliche Maßnahmen

  • Lassen Sie sich helfen durch eine professionelle Ernährungsberatung. Angebote gibt es zum Beispiel bei den Krankenkassen.
  • Suchen Sie aktiv nach Möglichkeiten für zusätzliche Bewegung im Alltag. Wo ist eine Treppe, die ich hochlaufen kann? Gymnastik geht überall, im Sportkurs, zwischendurch zum Muntermachen im Büro und auch zu Hause.
  • Stellen Sie sich nicht zu oft auf die Waage. Einmal pro Woche reicht völlig aus.

Version 1, Stand 03/2017

Bei Rückfragen können Sie sich gerne an Karin Krümmel wenden.

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