Wurmerkrankungen

1.0 Welche Würmer kommen hierzulande beim Menschen vor?

Madenwürmer:

Das sind hier bei uns die Würmer, die bei Menschen am häufigsten vorkommen. Diese Würmer sind sehr klein (drei bis zwölf Millimeter lang) und sehen aus wie kleine weiße Fäden. Madenwürmer leben in der Darmschleimhaut. Die Weibchen kriechen nachts aus dem Darm heraus, um in den Afterfalten ihre Eier abzulegen. Das führt zu einem schlimmen Juckreiz am After. Beim Kratzen können Wurmeier an die Finger und unter die Fingernägel geraten. Wenn dann während des Schlafs die Finger in den Mund gesteckt werden, steckt man sich selbst erneut mit den Madenwürmern an. Besonders Kinder stecken sich leicht mit Madenwürmern an. Das passiert zum Beispiel beim Spielen im Sandkasten, wenn der Sand durch Wurmeier verunreinigt ist. Diese Eier kommen durch Tierkot in den Spielsand. Aber auch mit Kotspuren verunreinigte Lebensmittel (zum Beispiel ungewaschener Salat) können die Ansteckungsquelle sein.

Spulwürmer:

Spulwürmer sehen so ähnlich aus wie Regenwürmer und sind 10-50 Zentimeter lang. Wurmeier werden mit verunreinigter Nahrung aufgenommen. Im Dünndarm schlüpft aus dem Ei eine Larve. Sie bohrt sich durch die Darmwand, gelangt in die Blutbahn und wandert mit dem Blutstrom in die Leber. Dort entwickelt sie sich weiter und wandert dann wieder durch die Blutbahn über das Herz in die Lunge. Die Spulwurmlarven werden aus der Lunge mit dem Bronchialschleim abgehustet. Wenn der Schleim runtergeschluckt wird, gelangt die Larve wieder in den Darm. Jetzt kann sie sich erst zum erwachsenen Spulwurm entwickeln. Die weiblichen Würmer fangen dann an, große Mengen von Eiern zu legen. Die Spulwurmeier gelangen mit dem Kot aus dem Körper heraus und können nun neue Menschen befallen.

Rinderbandwurm:

Die Ansteckung erfolgt durch Verzehr von rohem oder ungenügend erhitztem Rindfleisch, wenn dieses von Bandwurmfinnen befallen ist. Rinder, oder manchmal auch Ziegen oder Schafe sind die Zwischenwirte dieses Bandwurms. In diesen Zwischenwirten entwickeln sich die Larvenstadien. Der Mensch ist für den Rinderbandwurm der Endwirt, denn im menschlichen Darm entwickelt sich der geschlechtsreife Bandwurm. Der Rinderbandwurm kann im Darm des Menschen enorm lang werden (15 Meter oder mehr). Der Wurm hat einen winzigen Kopf, der sich mit Saugnäpfen fest an der Darmwand verankert. Vom Kopf ausgehend werden immer weiter neue Bandwurmglieder gebildet, welche schließlich eine lange Kette bilden. In diesen Gliedern entstehen die Eier. Da die Würmer Zwitter sind, genügt ein einziger Wurm um viele reife Eier zu bilden. Meist hat man auch tatsächlich nur einen einzigen Bandwurm.

Hundebandwurm und Fuchsbandwurm:

Diese beiden Bandwurmarten sind sehr klein, der ganze Wurm ist nur wenige Millimeter lang. Er lebt in Fleischfressern, der Hundebandwurm im Hund (selten in Katzen), der Fuchsbandwurm im Fuchs, Marderhund oder selten im Hund. Befallene Tiere scheiden mit ihrem Kot Bandwurmeier aus. Diese werden von einem Zwischenwirt aufgenommen. Das sind beim Hundebandwurm Schafe, Schweine und Rinder. Beim Fuchsbandwurm sind Nagetiere wie Mäuse die Zwischenwirte. Der Mensch ist ein „falscher“ Zwischenwirt. Im Zwischenwirt entwickeln sich aus den Eiern Bandwurm-Zysten, die in verschiedenen Organen wachsen. Die Hundebandwurm-Zysten sind kompakt und von einer Kapsel umgeben. Meist sitzen sie in der Leber, seltener in der Lunge. Diese Zysten können operativ entfernt werden. Da die Hundebandwurm-Infektion manchmal spontan ausheilt, kann der Arzt sich auch entscheiden, erstmal kontrolliert abzuwarten. Beim Fuchsbandwurm sind die Zysten nicht abgekapselt sondern durchwuchern das Gewebe, hauptsächlich in der Leber. Daher ist eine Operation hier nur selten möglich. Unbehandelt führt eine Fuchsbandwurm-Infektion zum Tod. Eine medikamentöse Behandlung kann das Wachstum der Parasiten bremsen, tötet sie jedoch nicht völlig ab. Daher muss die Behandlung dauerhaft fortgeführt werden. Eine Ansteckung von Mensch zu Mensch gibt es beim Hunde- und Fuchsbandwurm nicht. Die Ansteckung geschieht nur durch Bandwurmeier, die über den Mund in den Körper gelangen. Diese kommen zum Beispiel durch Streicheln des Tierfells an die Hände, oder über mit Tierkot verschmutzte Erde.
Andere Wurmarten sind selten oder werden nur von Reisenden aus fremden, warmen Ländern mitgebracht.

1.1 Würmer bei Haustieren wie Katzen und Hunde

Wenn Sie ein Haustier halten, schützen Sie Ihr Tier, Ihre Familie und sich selber, indem Sie Ihr Tier regelmäßig entwurmen! Die notwendigen Informationen und Medikamente erhalten Sie bei Ihrem Tierarzt.

2. Wann muss man zum Arzt gehen?

Bei Verdacht auf Wurmerkrankungen sollte grundsätzlich immer ein Arzt aufgesucht werden. Bei Kindern ist der Kinderarzt der richtige Ansprechpartner. Erwachsene gehen am besten zunächst zu Ihrem behandelnden Hausarzt.

3.Wie stellt man eine Wurmerkrankung fest? Welche Symptome gibt es?

Wurmerkrankungen bleiben oft symptomlos und werden daher von den Betroffenen gar nicht bemerkt.
Bei Madenwürmern ist der Juckreiz im Afterbereich, der besonders nachts im Bett auftritt, typisch. Der Juckreiz beeinträchtigt auch den Schlaf. Manchmal sieht man die kleinen, weißen, fadenartigen Madenwürmer im Stuhl. Der Nachweis eines Madenwurm-Befalls erfolgt durch einen Klebestreifen (Tesafilm), der morgens auf den Afterbereich geklebt und sofort wieder abgenommen und auf einen Objektträger geklebt wird. Die Wurmeier bleiben am Klebestreifen hängen und der Arzt kann sie unter dem Mikroskop erkennen.
Bei Spulwürmern kann es sein, dass Bauchschmerzen und Unwohlsein auftreten. Es kann zu Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust kommen, aber auch Heißhunger kann vorkommen. Während die Würmer die Lunge durchwandern, kann Fieber mit Husten und Atembeschwerden auftreten. Der Nachweis eines Spulwurm-Befalls erfolgt durch eine Stuhlprobe, in der die Eier der Würmer nachweisbar sind.
Wer einen Rinderbandwurm hat, bemerkt dies an verschiedenen Verdauungsstörungen wie Durchfall, Verstopfung, Bauchweh, Appetitmangel, Übelkeit oder Heißhunger. Eine deutliche Gewichtsabnahme kann auftreten, besonders bei betroffenen Kindern. Festgestellt wird ein solcher Bandwurmbefall durch mikroskopischen Nachweis der Wurmeier im Stuhl. Ab zehn bis zwölf Wochen nach der Ansteckung mit dem Wurm findet man Bandwurmglieder im Stuhl, das sind bandförmige weiß-gelbliche, bewegliche Wurmabschnitte von ungefähr zwei Zentimeter Größe.
Auch beim Hunde- oder Fuchsbandwurm verläuft die Erkrankung zunächst oft jahrelang unbemerkt. Es kommt vor, dass die Erkrankung zufällig bei einer Ultraschalluntersuchung bemerkt wird. Die Zysten des Hundebandwurms kann der Arzt manchmal sogar ertasten, man sieht sie auch im Ultraschallbild oder mit anderen bildgebenden Verfahren. Fuchsbandwurm-Zysten sind schwerer zu finden, können aber im Prinzip auch mit Ultraschall, Röntgen, CT oder MRT gefunden werden. Außerdem können Antikörper gegen die Bandwürmer im Blut der Patienten nachgewiesen werden. Erkrankungen mit Hundebandwürmern sind in Deutschland selten, Fuchsbandwurmbefall ist sogar noch seltener.

4. Welche Mittel sind zur Behandlung von Wurmerkrankungen des Menschen zugelassen?

Kinder (2 bis 6 Jahre alt)

Wenn Sie den Verdacht haben, dass Ihr Kind von Würmern befallen ist, gehen Sie bitte mit dem Kind zum Kinderarzt.

Schulkinder (älter als 6 Jahre)

Wenn Sie den Verdacht haben, dass Ihr Kind von Würmern befallen ist, gehen Sie bitte mit dem Kind zum Kinderarzt.

Erwachsene

Zur Behandlung eines Madenwurm-Befalls sind Dragees oder Suspension mit dem Wirkstoff Pyrvinium geeignet. Die Dosierung ist abhängig vom Körpergewicht. Man nimmt pro 10kg Körpergewicht eine Tablette bzw. 5ml von der Suspension ein. Die Maximaldosis von 8 Tabletten bzw. 40ml Suspension darf dabei jedoch nicht überschritten werden. Die Behandlung soll nach zwei bis vier Wochen wiederholt werden. Der Wirkstoff färbt den Stuhl hellrot, erschrecken Sie also nicht, wenn Sie die Farbe sehen. Auch Wäsche kann bei Kontakt mit der Farbe (aus den Tabletten oder der Suspension oder aus Erbrochenem oder Stuhl) dauerhaft verfärbt werden. Bei Menschen mit geschädigter Leber oder eingeschränkter Nierenfunktion darf dieses Mittel nicht eingesetzt werden.
Dosierungsbeispiele für Tabletten mit Pyrvinium gegen Madenwürmer:
Körpergewicht 52 kg: 5 Tabletten
Körpergewicht 60 kg: 6 Tabletten
Körpergewicht 69 kg: 7 Tabletten
Körpergewicht 80 kg: 8 Tabletten
Körpergewicht 95 kg: 8 Tabletten

Zur Behandlung von Bandwurm-Erkrankungen (zum Beispiel Schweinebandwurm und Rinderbandwurm) ist der Wirkstoff Niclosamid zugelassen. Das Mittel tötet Bandwürmer im Darm ab. Der Bandwurmkopf und die Glieder werden dann mit dem Stuhl ausgeschieden, entweder am Stück oder in Teilen. Es kann bis zu zwei Tage nach der Einnahme dauern, bis der Bandwurm vollständig ausgeschieden wird. Um die Ausscheidung zu beschleunigen, kann ein salinisches Abführmittel (Glaubersalz, Bittersalz) genommen werden, jedoch erst frühestens zwei Stunden nach der Einnahme von Niclosamid. Niclosamid wird als Kautablette verabreicht. Diese müssen bei der Einnahme gründlich zerkaut werden oder alternativ in Wasser zerfallen eingenommen werden. Man nimmt die gesamte Dosis als Einmaleinnahme nach dem Frühstück. Erwachsene nehmen bei Rinderbandwurm-Befall 4 Kautabletten ein. Niclosamid kann das Reaktionsvermögen beeinträchtigen und darf nicht zusammen mit Alkohol eingenommen werden.

5.0 Zusätzliche hygienische Maßnahmen bei Wurmerkrankungen

Bei Madenwurm-Befall müssen begleitend zur medikamentösen Behandlung sechs Wochen lang folgende Hygieneregeln eingehalten werden (alleinige Hygienemaßnahmen reichen nicht aus, ein Wurmmittel muss auf jeden Fall eingenommen werden!):

  • Vor jedem Essen müssen die Hände gewaschen werden!
  • Morgens und abends frische Unterwäsche anziehen.
  • Täglich das Bett mit sauberer Bettwäsche beziehen.
  • Die Unter- und Bettwäsche sollte möglichst bei 60 Grad Celsius, noch besser bei 90 Grad Celsius gewaschen werden.
  • Den After möglichst nicht mit den Händen anfassen; nach dem Po-Abwischen die Hände gründlich mit Wasser und Seife waschen.
  • Die Fingernägel sollten so kurz wie möglich geschnitten sein, damit keine Wurmeier darunter hängen bleiben.
  • Nach jedem Stuhlgang sind die Hände gründlich zu waschen, und der Zwischenraum zwischen Fingernagel und Finger muss gründlich mit einer Handbürste gereinigt werden.
  • Vermeidung von Staubaufwirbelung (zum Beispiel beim Bettenmachen), weil im Staub Wurmeier sein können, die dann durch Einatmen in den Körper gelangen.

5.1 Wie kann man Wurmerkrankungen vorbeugen?

Um sich vor Wurmbefall zu schützen, halten Sie allgemeine hygienische Grundregeln ein.

  • Waschen Sie die Hände gründlich mit warmem Wasser und Seife, besonders vor dem Essen und nach dem Gang zur Toilette.
  • Halten Sie die Fingernägel immer kurz geschnitten und sauber.
  • Waschen Sie Obst und Gemüse gründlich vor dem Verzehr und vor der Verarbeitung.
  • Garen Sie Fleisch und Fisch vor dem Verzehr gut durch.
  • Wenn Sie ein Tier gestreichelt haben, waschen Sie sich anschließend die Hände.
  • Entwurmen Sie Haustiere wie Katzen und Hunde regelmäßig.
  • Hindern Sie kleine Kinder daran, Sand oder Erde in den Mund zu stecken.
  • Zum Schutz vor dem Fuchsbandwurm essen Sie keine rohen Pilze oder Beeren, die in Bodennähe wachsen. Erhitzen über 60 Grad oder Austrocknung tötet die Wurmeier ab.

Version 1, Stand 06/2016

Bei Rückfragen können Sie sich gerne an Karin Krümmel wenden.

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